Munich intertitles for Nerven

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Title

Munich intertitles for Nerven

Description

List of intertitles appearing in the Munich Filmmuseum (formerly held at Gosfilmofond) copy of Reinert's "Nerven" (1919).

Date

1920

Source

Munich Filmmuseum

Language

de

Contributor

Arno Bosse

Document Item Type Metadata

Text

Vorspiel.
Mutter! Tausend Meilen von der Heimat stirbt dein Sohn.
Mutter, Mutter! Du fühlst es..tausend Meilen von ihm..zur selben Minute.. Was ist das?
Mörder..
..der Du vor nichts zurückschreckst.
Flieh! Du bist verloren..draußen die Häscher..
Das arme Tierchen ohne Wasser..es stirbt ja, es stirbt.
Ende des Vorspiels.
Personen: Eduard de Winterstein - Fabrikbesitzer Roloff; Lya Borré - Roloffs Frau Elizabeth; Erna Morena - Roloffs Schwester Marja; Paul Bender - Lehrer Johannes; Lilli Dominice - Dessen blinde Schwester; Rio Ellbon - Marjas Verlobter Richard; Margarete Tondeur - Marjas frühere Amme
1. Akt.
Dein Brautkleid, Marja..Dein Brautkleid.
Morgen dein Hochzeitstag, Du glückliches Kind!
Fühlst Du nicht, wie der geheimnisvolle Strom die Luft durchzittert.
Wie die Erde unter etwas Unerhörtem, Ungeheurem bebt.
Der Lehrer Johannes wird zu Ihnen kommen und Sie beruhigen.
Der Lehrer Johannes, der alle beherrscht, der die Seelen aller besitzt. –
Der Gärtnerbursche.
Hast du alles vergessen, Marja!
Da draußen geht’s um Leben und Tod und Du schleichst hier verliebt herum, du Feigling.
Sie hat alles vergessen, unsere Kindheit, unsere Träume, den Kuß, den Sie mir gab.
Laß mich, ich muß dabei sein.
Habe Erbarmen, Marja.
Du Feigling.
Morgen früh überreichst Du dießen Strauß Marja, meiner Braut! – –
Kommt zur Besinnung.
Bedenkt: Brüder gegen Brüder.
Bin ich ein Feigling?
Warum?
Ich weiß es nicht..
An die Wand.
Wir haben auch unßer zweites Kind verloren!
Blutigrot setzt mein Hochzeitstag ein.
Ende des 1. Aktes.
..Ihr seid mir gefolgt bis zu dieser Stunde des Erfolges, des Ruhmes..
Morgen ist das fünfhundertjährige Jubiläum und die Eröffnung der neuen Fabrik.
Unsere Erfindung, die größte seit Menschengedenken, macht uns zu Herren der Welt.
Mit unseren Maschinen und Werkzeugen, ersonnen jeden Widerstand zu brechen, erobern wie die Erde! Hört Ihr’s? Die Erde!
Volksversammlung.
Menschheitsideale werden nicht durch Gewalt verwirklicht.
Geht jetzt von der Straße! Geht an die Arbeit! Arbeit ist Macht.
So wie ein Mensch, der nicht arbeitet, an Leib und Seele verkommt. So muß ein Volk untergehen, das nicht arbeitet.
Ihr Schwesterchen sucht Sie, Herr Lehrer Johannes!
Mutter, warum lebst Du nicht mehr, um mir zu raten?
Matth. 5. Kap. 28. Vers: Ich aber sage Euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. – !
Mein Bruder, ich sehe Dich nicht, aber ich fühle, wie Du leidest.
Die Hochzeitsgäste.
Herr Lehrer Johannes, ich habe heute Hochzeit.
Wissen Sie noch, wie Sie mein Lehrer waren?
Das Tier überfüttert Ihr – und unten im Arbeiterdorf verhungern Menschen.
Marja ist verschwunden – –
Um Gottes willen, was ist mir Dir?
Richard , ich kann Deine Frau nicht werden.
Ich kann keines anständigen Mannes Frau mehr werden.
Ein anderer hat mir Gewalt angetan.
Der Lehrer Johannes – !
Meine Liebe zu dir ist unrein und sündhaft.
Die Hochzeit meiner Schwester unterbleibt.
Später will ich Dir Aufklärung geben.
Kann Liebe, dieses schönste aller Gefühle, so lebhaft sein.
Marja, bewältige die Scham in Dir und erzähle. – !
Ich verlor in seinen Armen das Bewußtsein.
Die überreizten Nerven Roloffs lassen ihn glauben, er selbst hätte gesehen, was Marja berichtet.
Die eindringliche Schilderung Marjas täuscht Roloff seltsames vor.
Der Lehrer muss vernichtet werden.
Dieser Vorfall, Herr Staatsanwalt, ist an sich furchtbar, aber er vernichtet unseren mächtigsten politischen Gegner!
Der treue Hund.
Es ist nicht wahr.
Es kann nicht wahr sein!
Ich habe es gesehen – bei Gott, ich habe es gesehen!
Johannes.
Nachts.
Marja, ich beschwöre Dich, um Christi willen: sage mir die volle Wahrheit.
Der Lehrer Johannes hat mich besessen.
Das Volk.
Du mein treuer Hund – wo ist Johannes – wo ist unser Johannes.
Die Blinde fühlt instinktiv einen Zusammenhang zwischen der Bibel und ihrem Bruder.
Das fünfhundertjährige Jubiläum des Hauses Roloff.
Wer sind Sie?
Ich stehe Ihnen näher, als Sie glauben.
Am Tage des Gerichts will ich seine Unschuld beweißen.
Die flatternde Fahne sei das Symbol, daß unsere Herrschaft über die Welt beginnt.
Das Ende der Weltbeherrschungspläne. –
Behaltet Eure Nerven – wie ich – sonst ist alles verloren.
Panik.
Ich gebe den Kampf nicht auf.
Wie du zitterst..
..Meine Nerven waren Stahl. Seit damals aber..
Der Tag des Gerichts.
Du wirst wegen Krankheit entschuldigt, die Schande, Dich vor Gericht zu sehen, wäre zu groß.
Ich fühle, daß sich in diesem Augenblick sein Schicksal entschieden hat.
Er ist zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Ich habe das Gefühlt, ein Gerechter ist hingerichtet worden.
Atemlose Spannung lag über dem Saal. –
Er stand hochaufgerichtet da und schweig, kein Wort der Verteidigung kam über seine Lippen. –
Zu all den furchtbaren Beschuldigungen schwieg er.
Da kam seine blinde Schwester.
Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen.
Dieses Kind glaubte ihn zu retten und grub ihm, ohne es zu wollen, selbst das Grab.
Meine Liebe zu ihr ist unrein und sündhaft..
Diese Stelle kann sich doch nur auf Marja Roloff beziehen? –
Ihr Schweigen muß verhängnisvoll für Sie werden.
Sie geben also zu, schon seit langem von einer unerlaubten Liebe zu Marka Roloff erfüllt zu sein?
..Und dann schwur ich..
Ich schwur, daß ich sah.
Nach seiner Verurteilung bricht der Lehrer zum ersten Mal sein rätselhaftes Schweigen.
Ich bitte inständig..meine arme blinde Schwester soll nie erfahren, daß sie ahnungslos zu meiner Verurteilung beitrug..
Der Lehrer Johannes ist zu 6 Jahren Zuchthaus verurteilt.
Allein!
Ruhelos.
Warum schwieg er? – –
Weshalb haben sie ihn verurteilt?
Weil er dir Gewalt antat.
Ich habe gesehen.
Mein armer Bruder, Du hast es nicht gesehen.
Ich habe gesehen, ich habe ja geschworen.
Mein armer Bruder, Du konntest es nicht gesehen haben.
Ich sah es beschwor es..Sie aber sagt jetzt..was ist das, bin ich ein Narr, oder ein Verbrecher.
Was geht in mir vor?
Wir wollen nichts verraten, Marja muß schweigen..ich habe ja geschworen –
Du kannst doch einen Unschuldigen nicht leiden lassen.
Du hast recht..der Lehrer Johannes muß sofort befreit werden.
Wie ist mir nur..
Warum weint Ihr?
Der Lehrer Johannes hat sich im Gefängnis erhängt.
Wo bin ich?
Bist du Johannes?
..der sich im Gefängnis erhängt hat?
Du hast mich getötet, Roloff.
Du hast ihn auf den Gewissen.
So wie er ist noch keiner gestorben..
So wie er ist noch keiner in den Himmel gegangen.
Ich bin kein Mörder..er hat sich selbst getötet.
Getötet?
Er liegt nebenan aufgebahrt.
hier..hier lag er.
Nicht weinen, ich kann es nicht vertragen.
Bin ich denn so krank?
Um sich über seinen Zustand Gewißheit zu verschaffen, such Roloff einen berühmten Nervenarzt auf.
Ein Freund von mir erlebte Seltsames – – Dinge, die in Wirklichkeit nicht sind.
Aber das Grauenvollste: Sein eigenes Ich verfolgte ihn.
..und macht dabei einen ganz gesunden Eindruck. –
Diese Menschen hier machen alle einen gesunden Eindruck, sind aber doch schwer krank.
Und die Ursachen?
Die fortschreitende Zivilisation, der Kampf ums Dasein, Angst und Schrecken des Krieges, die Sünden der Eltern..
Unsere Ehe, mein lieber Sohn, war nicht glücklich. Dein Vater, infolge seiner Trunksucht krankhaft gereizt, litt schwer.
Die Untersuchung wird alles zeigen.
Marja hatte sich von ihrem Vaterhause losgesagt. Sie sucht leidenschaftlich die Ideen ihres Lehrers Johannes in die Tat umzusetzen.
Niemand weiß, warum ich schwieg.
..weil ich sühnte.
Verzeihe mir, Johannes.
Seit jenem Tage klammerte sich Roloff hilfesuchend an Johannes, seine grauenhaften Wahnvorstellungen wichen unter den gütigen Wesen seines Lehrers.
An meinen eigenen Nerven erkenne ich die Nerven der Welt.
Die Nerven der Welt sind krank.
In schlaflosen Nächten – – – zwischen Grauen und Verfolgungen, entstehen in meiner Phantasie seltsame Visionen.
Von der Gesundung der Menschheit..
..durstig nach Schönheit und Wahrheit in reiner Liebe sich vereinigen..
Stammeltern eines neuen, glücklichen Geschlechts werden.
Vielleicht wird dann das Ende kommen, jene Machtgier, die einem abscheulichen Untier gleicht, im Blutrausch über die Erde schreitet.
Über blutigen Schlachtfeldern trauern Völker.
Und als furchtbare Rächer erheben sich die Geister der Toten gegen uns..gegen mich.
Verfolgungswahn.
Er ist rettungslos verloren.
..jetzt weiß ich, warum er schwieg.
Ein paar Tage später.
Wie bedauernswert bist Du durch mich, Elizabeth.
Warum lachst Du, Dirne?
Habe ich sie erwürgt?
Oder sind sie wieder da, die furchtbaren Wahngebilde, die Illusionen der Irrenärzte.
Begreifst Du die Angst vor dem Entsetzlichen, dem ich nicht mehr entrinnen kann?
Hilf mir, gib mir das Gift Deines Freundes.
Lass mich nicht verkommen, ehre den Menschen in mir..lass mich nicht zum Tier werden.
Wie wohl ist mir! Eutanasie. Schön sterben nannten es die Griechen..ich danke Dir, Johannes.
Die Schlossherrin ist erkrankt.
Später.
Das Glück unserer Liebe ist uns versagt. Niemals kann ich einfacher Mann daran denken.
Ich möchte bei Euch bleiben, wollt Ihr mich aufnehmen?
Eine Zeit reinsten Glücks.
Das doch in ebenso unerwarteter wie seltsamer Weiße getrübt wurde.
Ich verstehe jetzt alles, er schwieg, weil er Elizabeth liebte. Was such ich noch auf der Welt? Ich Unglücklicher will ihrem Glück Platz machen.
Er wußte es und ging deshalb in den Tod.
..ich habe ihn getötet. –
Er liebt mich nicht mehr..er liebt nur Dich, ich bin fremd zwischen Euch.
Ich will Dir alles erklären, ein furchtbares Geheimnis bedrückt ihn.
Um ihn vor einem entsetzlichen Schicksal zu bewahren, tat er es..glaube mir.
Sie darf es nie erfahren.
Ich verstehe jetzt alles. Er schwieg, – weil er Elizabeth liebte. Was suche ich noch auf dieser Welt? ich unglücklicher will ihrem Glück Platz machen.
Dies war Mord. Niemand konnte wissen, – – ob er nicht wider gesund geworden wäre. –
Trennung.
Deine Geschwätzigkeit hat alles verschuldet.
Wir verlassen das Land für immer.
Solange will ich knien und beten, bis Du sie, gnädiger Gott, wieder zusammengebracht hast.
Um den geliebten Gatten wieder finden, greift Elizabeth in ihrer geistigen Verwirrung zu einem furchtbaren Mittel.
Meine arme Schwester verbrennt. – –
Ende.

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“Munich intertitles for Nerven,” From Kinema to Caligari: Sources, accessed August 19, 2014, http://beforecaligari.org/sources/items/show/190.

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